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Kampf um Unabhängigkeit der Republik Abchasien

Kampf um Unabhängigkeit der Republik Abchasien

30.03.2016

 

Das abchasische Parlament, der Oberste Sowjet, erklärte im Juli 1992 Abchasien für einen souveränen Staat,dessen Beziehungen zu Georgien noch geklärt werden müssten, nachdem zuvor Georgien alle Verträge, die in derSowjetzeit unterzeichnet wurden, für nichtig erklärt hatte. Georgien verabschiedete die Verfassung von 1921wieder als Grundlage für die Staatsgründung.

Zu dieser Zeit waren in Abchasien die Anhänger des gestürzten georgischen Präsidenten Swiad Gamsachurdiaaktiv und sorgten dort für Unruhe. Als mehrere russische Güterzüge, die Güter nach Armenien transportierten, inAbchasien gestoppt und geplündert wurden, forderte Russland die damalige georgische Regierung auf, Sicherheitund Ordnung auf georgischem Territorium, wozu auch Abchasien zählt, zu gewährleisten. Georgien erklärt denEinmarsch georgischer Truppen in Abchasien folgendermaßen: „Zu diesem Zweck wurden in Absprache mit demdamaligen Parlamentsvorsitzenden Abchasiens Wladislaw Ardsinba Einheiten der georgischen Armee nachAbchasien geschickt, um die lebenswichtigen Wege (Bahn und Straße) zu sichern.“

Am 14. August 1992 rückten georgische Einheiten unter dem Befehl des damaligen Verteidigungsministers TengisKitowani in Abchasien ein. Die Abchasen eröffneten das Gegenfeuer, gleichzeitig sprach Wladislaw Ardsinba imöffentlichen Fernsehen über eine Aggression Georgiens gegen den „unabhängigen abchasischen Staat“ und riefdie Abchasen auf, die Georgier mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu bekämpfen. Die abchasischenKampftruppen hielten nicht nur stand, sie gewannen den Krieg. Unterstützt wurden sie dabei sowohl vomrussischen Staat als auch von tschetschenischen Guerillas unter dem Kommando von Schamil Bassajew, der indieser Zeit sogar zum stellvertretenden Verteidigungsminister Abchasiens aufstieg. Neutrale Militärbeobachtergehen jedoch davon aus, dass nicht nur die Unterstützung von außen für den Sieg der Abchasen verantwortlichwar, sondern auch die Unkoordiniertheit der georgischen Truppen. Nach ihrer Niederlage flohen auch die meistenethnischen Georgier aus Abchasien, wo sie zuvor die größte Bevölkerungsgruppe gewesen waren.Zurückbleibende Georgier wurden Opfer schwerer Übergriffe durch die Abchasen und ihre Verbündeten, wie etwabeim Massaker von Sochumi 1993, für das insbesondere Bassajew verantwortlich gemacht wird.

Der Krieg dauerte etwas über ein Jahr, führte zu Kriegsverbrechen, vielen tausend Toten und zur Vertreibung vonca. 250.000 Georgiern, die in Abchasien gelebt hatten. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hatte 1995geschätzt, dass in der autonomen Republik rund 80.000 Abchasen, etwa 60.000 Armenier, 40.000 Russen undnoch 12.000 ethnische Georgier lebten. Die meisten georgischen Flüchtlinge strandeten in Tiflis. 50.000 Flüchtlingekehrten wieder in ihre Heimat zurück. 40.000 von ihnen wurden 1998 erneut vertrieben. Heute leben mehr als80.000 Georgier in Abchasien, bevorzugt in der Provinz Gali, wo sie die Mehrheit der Bevölkerung bilden.

Am 14. Mai 1994 wurde nach drei vergeblichen Anläufen unter Vermittlung der Vereinten Nationen einWaffenstillstand vereinbart. Bislang sorgen 1.500 russische Soldaten als Friedenstruppe der GemeinschaftUnabhängiger Staaten (GUS) für die Einhaltung des 1994 geschlossenen Waffenstillstandes zwischen Georgiernund Abchasen. Die Einhaltung des Abkommens wird durch eine 121-köpfige United Nations Observer Mission inGeorgia (UNOMIG) überwacht. Deutschland stellt mit elf Soldaten das größte Kontingent der Mission.

Wiederholt wurde vergeblich unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen über eine Beendigung desKonflikts verhandelt. Dabei ging es um eine Rückführung der Flüchtlinge und eine politische Lösung auf der Basisder territorialen Integrität Georgiens. Das scheiterte jedoch an der De-facto-Regierung Abchasiens, die stets aufeiner völligen Unabhängigkeit beharrte und eine Rückkehr der Flüchtlinge ausschloß.

Im Oktober 2001 entbrannte der bewaffnete Konflikt zwischen georgischen Partisanen und abchasischenSicherheitskräften in der georgisch-abchasischen Grenzregion erneut. Auf der Seite Abchasiens kämpften dabeierneut auch tschetschenische Milizen.

Unterstützer des abchasischen Friedensprozesses sind Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Russland unddie USA. Die im Juli 2002 vom UN-Sicherheitsrat verabschiedete Abchasien-Resolution, die einen Verbleib als autonome Republik im Staat Georgien vorsieht, gründet auf Vorschlägen des deutschen Diplomaten Dieter Boden,der von 1999 bis 2002 UNOMIG leitete. Obgleich regelmäßige Verhandlungen zur Beilegung des Konflikteszwischen Abchasien und Georgien stattfanden, brachten sie keinen Durchbruch. Kofi Annan, ehemalsGeneralsekretär der Vereinten Nationen, rief Abchasien auf, die georgische Rosenrevolution für einen neuenVerhandlungsstart zu nutzen. Die EU zeigte sich in der Erklärung des Vorsitzes des Rates der Europäischen Unionvom 24. Juli 2006 sehr besorgt über die aktuelle Entwicklung in Abchasien, begrüßte die möglichst baldigeEntsendung einer UN-Polizeitruppe und erklärte sich bereit, aktiv zum Friedensprozess beizutragen.

Anfang Mai 2008 wurden von russischer Seite die Truppen auf 2.500 Mann aufgestockt. Damit näherte sich dasrussische Kontingent der Höchstgrenze von 3.000 Mann. Georgien kritisierte den Schritt als gegen seineSouveränität gerichtet und äußerte den Wunsch, aus dem gemischten Kontrollgremium, bestehend aus Russland,Georgien und Nord- und Südossetien, auszutreten. Dieser Wunsch wird von den anderen Mitgliedern 

des Gremiums bisher abgelehnt.